Sonntag, 7. Juni 2015

Stimmen - Ursula Poznanski


Als auf der psychiatrischen Station des Klinikums Nord ein junger Arzt ermordet aufgefunden wird, werden Beatrice Kaspary und Florin Wenninger mit dem Fall betraut, der schon beim Begutachten des Tatorts mehr Fragen aufweist als so mancher Todesfall, den die beiden bisher gemeinsam aufgeklärt haben. Hinzu kommt da natürlich noch, dass die beiden sich hier mit jeder Menge psychisch kranker Personen auseinandersetzen müssen, die es ihnen gar nicht einfach machen können. Die zuständigen Ärzte dagegen scheinen dies nicht einmal unbedingt zu wollen, selbst als es weitere Todesfälle im Klinikum gibt…

Der Schauplatz der Geschehnisse könnte meiner Meinung nach gar nicht besser gewählt sein. So werden hier sowohl jegliche Krankenhausklischees wie der Verdacht auf Medikamentenmissbrauch, Arzt-Affären oder gar die sexuelle Ausbeutung hilfloser Patienten gekonnt verwendet, um falsche Spuren zu legen und sowohl Ermittler als auch Leser an der Nase herumzuführen.


Der Schreibstil ist äußerst angenehm und fantastisch zu lesen, auch wenn man ab und an über das ein oder andere typisch österreichische Wort stolpert, das man vielleicht nicht auf Anhieb kennt.

Die Charaktere sind sehr schön ausgearbeitet und vor allem die Beatrices und Jasmins Entwicklung gefällt mir sehr gut. So hat es anfangs häufig genervt, wie ungerecht Beatrice sich gegenüber einigen Kollegen verhält und man ist froh, dass sie irgendwann beginnt, daran zu arbeiten. Außerdem ist es schön, dass es für ihr Verhalten einen glaubwürdigen Hintergrund gibt, da sie als alleinerziehende Mutter die Schikanen ihres Exmannes ertragen und gleichzeitig dem überaus kraftraubenden Job als Ermittlerin nachkommen muss. Ihre Interaktionen mit der traumatisierten Jasmin, die jahrelang in einem Keller eingesperrt war und infolgedessen nicht spricht, zeigen jedoch, was für eine feinfühlige Person sie eigentlich ist, genau wie das sich immer weiter entwickelnde Verhältnis zu ihrem Kollegen Florin.

Zugegebenermaßen wirkt der Fall Jasmin zuerst recht klischeehaft, da er an viele bekannte Vergewaltigungsfälle erinnert, in denen das Opfer vom eigenen Vater eingesperrt und misshandelt wurde. Dieses Klischee wird jedoch bereits durch Jasmins Erscheinung teilweise wieder aufgewogen und durch ihre besondere Art der Kommunikation mit der Ermittlerin irgendwann in den Hintergrund gerückt.

Besonders interessant ist jedoch auch Maja, die grundsätzlich allen Ärzten und Pflegern ein Verhältnis mit ihr und anderen Patientinnen unterstellt und in ihrer sexuellen Provokation wirklich kein Tabu zu kennen scheint und dem Leser damit mehr als nur einmal völlig entgeistert den Kiefer herunterklappen lässt.

Auch der Spannungsbogen wird gut gehalten, indem sich immer wieder zum richtigen Zeitpunkt neue Gewalttaten ereignen, bevor es langweilig werden kann und die Tatsache, dass die Ermittlerin schlussendlich selbst ins Schussfeld des Täters gerät, verleiht der Geschichte am Ende noch einmal ordentlich Tempo.

Schade ist  allerdings, dass einige Dinge offen bleiben, wenngleich auch die Tatsache, dass nicht alles restlos aufgeklärt werden kann, der Geschichte einen zusätzlichen Touch Realismus verleiht, weil es bei echten Fällen wohl auch nicht immer der Fall ist.

Auch der Titel scheint nicht unbedingt wahnsinnig passend gewählt, da zwar einer der Traumapatienten Stimmen in seinem Kopf hört, diese aber keine so tragende Rolle spielen, wie der Titel und der Buchanfang vermuten lassen.

Insgesamt ist Stimmen jedoch ein super Buch, das man fast in einem Rutsch durchliest, weil man es kaum aus der Hand legen kann und selbst dann sofort wissen will, wie es weitergeht! Damit ist Stimmen bisher außerdem mein persönliches Lesehighlight dieses Jahres!

  
Seiten: 440

Originaltitel: -
Autor/in: Ursula Poznanski
Verlag: Wunderlich
ISBN: 978-3-80525-062-7
Preis: 14,95 Euro


Mein Dank für das Rezensionsexemplar gilt Was liest du? (www.wasliestdu.de) und dem Wunderlich Verlag (www.rororo.de)!

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