Sonntag, 25. Mai 2014

Morgen kommt ein neuer Himmel - Lori Nelson Spielman

Brett Bohlinger ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau mit dem perfekten Freund und perfekter Wohnung – denkt sie. Denn als ihre geliebte Mutter stirbt, muss sie nicht nur diesen Schicksalsschlag verkraften, sondern erhält von dieser auch noch eine Liste mit Lebenszielen, die es innerhalb eines Jahres abzuarbeiten gilt, um ihr Erbe zu erhalten, und die ihr ganzes bisheriges Leben auf den Kopf stellt. Da es sich dabei um eine Liste handelt, die Brett selbst mit 14 Jahren geschrieben hat, beginnt so eine Reise zu dem Mädchen, das sie einst war und zu der Frau, die sie einmal werden wollte…

Wer jetzt ein bisschen abgeschreckt vom Hauptkonzept des Buches ist, weil es ihn an zwei andere bekannte Romane erinnert, warte noch ein bisschen mit seinem Urteil: Es lohnt sich! Ja, auch in Die Wunschliste von Jill Smolinski versucht die Protagonistin, eine Liste mit Lebenszielen abzuhaken, aber dabei handelt es sich nicht um ihre eigene, wie es bei Brett der Fall ist. Und ja, auch in PS: Ich liebe dich von Cecilia Ahern erhält die Protagonistin Holly ein Jahr lang jeden Monat einen Brief mit einer Aufgabe von ihrem verstorbenen Mann – Brett erhält die Briefe ihrer Mutter aber erst zur Belohnung, wenn sie eine entsprechende Aufgabe gelöst und ihr Leben erfolgreich verbessert hat.


Hier kommen wir allerdings auch schon zum Besonderen dieser Briefe: Dank des Anwalts Brad Midar, der Elizabeth Bohlinger versprechen musste, Brett jeden der Briefe laut vorzulesen, entsteht dadurch eine Art Zwiegespräch zwischen Mutter und Tochter, das zeigt, wie gut eine Mutter ihre Tochter doch kennt! Die Briefe dienen also eher dazu, die Konversationen mit einem Menschen nachzubilden, den wir als Leser nicht mehr kennenlernen durften, der für die Entwicklung von sowohl Hauptperson als auch Geschichte jedoch von größter Bedeutung ist!


Der Schreibstil ist in einem Wort einfach wunderbar – durch die Ich-Perspektive kann man sich problemlos in die Protagonistin hineinversetzen, ihren lebhaften Beschreibungen folgen, sich jedoch genauso gut an manchen Gedankengängen stoßen.


So wirkt es manchmal ein wenig naiv, in was Brett plötzlich alles Zeichen und Vorsehungen ihrer Mutter hineininterpretiert, obwohl sie doch schließlich selbst eine erwachsene Frau ist. Natürlich geben die Weisungen Elizabeths zu vielen wichtigen Dingen Anstoß, bloß übertreibt es Brett manchmal ein wenig damit, sich einzureden, dass sie jedes kleinste Detail für sie vorausgeplant hat. Gefallen hat mir dagegen ihre Entwicklung vom reichen Mädchen zur verhältnismäßig anspruchslosen Frau, der Soziales plötzlich wichtiger ist als materieller Wohlstand. Besonders gefallen hat mir daher die Szene, in der sie die komplette Wohnung ihres Ex-Freundes leerräumen lässt, um ihr Mobiliar dem Frauenhaus zu spenden, in dem sie sich engagiert.


Nach mehreren Männerfehlgriffen fiebert man mit Brett mit, endlich den Richtigen zu finden, und entsprechend fühlt man bei jeder neuen Enttäuschung mit ihr, besonders, als es mit Brad nicht klappt, der mein persönlicher Favorit gewesen wäre. Umso mehr freut man sich allerdings, als sie tatsächlich das Kind ihrer Schülerin Sanquita bekommt, um damit Sanquitas letztem Wunsch gerecht zu werden und auch, dass sie so toll mit ihrer am Down-Syndrom erkrankten Schwester klarkommt.


Das Ende kommt meiner Meinung nach leider etwas abrupt – im einen Moment steht Garret Taylor vor ihrer Tür, im nächsten sind sie schon verheiratet, eine glückliche Familie und das Buch ist zu Ende, obwohl sich die Beziehung zwischen den beiden noch gar nicht so richtig angebahnt hat - außerdem werden die drei letzten Briefe nicht mehr geöffnet!


Insgesamt ist Morgen kommt ein neuer Himmel also ein schönes Buch, das daran erinnert, seine Träume und Wünsche zu verfolgen, sich nicht für andere zu verbiegen, sondern sich selbst zu verwirklichen. Außerdem betont es das Besondere einer Mutter-Tochter-Beziehung und erinnert an die Einzigartigkeit mancher Freundschaften. Der abrupte Schluss mindert den guten Gesamteindruck jedoch leider ein wenig ab.



Seiten:368

Originaltitel: The Life List

Autor/in: Lori Nelson Spielman
Verlag: Fischer KRÜGER
ISBN: 978-3-81051-330-4
Preis: 14,99 Euro

Mein herzlicher Dank für das Rezensionsexemplar geht an www.lovelybooks.de (auch für die tolle Lese-Challeenge!) und natürlich an den Fischer KRÜGER-Verlag: www.fischerverlage.de!

Kommentare:

  1. Hey das ist ja eine schöne Rezension. Ich möchte das Buch auch noch lesen. Bin jetzt auch Leserin deines tollen Blogs geworden. Wenn du magst kannst du auch gern mal bei mir vorbeischauen, ich würde mich freuen. Lg Petra
    www.papierundtintenwelten.blogspot.de

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  2. Sehr schöne Rezi <3 Und dein Blog gefällt mir auch. ;) Da bleibe ich doch gleich mal als Leserin :)

    Liebste Grüße

    Sonja von lovinbooks4ever.blogspot.de

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  3. Hab das Buch ebenfalls gelesen und rezensiert, und mir persönlich hat auch die Entwicklung, die Brett (Gott, dieser Name :D) durchmacht, sehr gut gefallen. Ich habe auch schon ein paar andere Rezensionen zu dem Buch gelesen und wirklich jedem war das Ende anscheinend zu abrupt... Und ich stehe mit meiner Meinung so ziemlich alleine da, wenn ich sage, ich fand das Ende seltsamerweise genau richtig :D Was mich an dem Buch gestört hat, war die Vorhersehbarkeit... Aber naja (:
    Jedenfalls eine tolle Rezension!

    Alles Liebe,
    Natalie

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