Montag, 6. Januar 2014

Ich kauf nix! - Nunu Kaller

Ein Jahr lang keine neuen Klamotten kaufen - das nimmt sich die Österreicherin Nunu Kaller vor, als sie beim Entrümpeln ihres Lebens an den Kleiderschrank kommt, vor dem es ihrem Freund schon lange graust: Nichts passt mehr hinein, die Sachen stapeln sich auf Wäschebergen und Kommoden und das Schlimmste - fast alles sind billige Fähnchen aus dem SALE, von denen die Autorin oftmals gar nicht mehr wusste, dass sie sie überhaupt hatte.

Um sich selbst und ihrem Liebsten zu beweisen, dass sie auch anders kann, beginnt sie eine 1-jährige Shopping-Diät und radikal auszumisten.

Dabei kommen nicht nur diverse Modesünden an den Tag, sondern vor allem die Sünden der Textil-Industrie, mit deren Hintergründen Nunu sich zu beschäftigen beginnt.
Die unwürdigen Arbeitsbedingungen in ausländischen Nähereien, die Lebensgefahr und der Hungerlohn für die Arbeiter beim Färben oder (eigentlich verbotenem!) Sandblasting von Stoffen nehmen plötzlich Gestalt an und auch die Umwelt-Bilanz von Kleidung ist mehr als verheerend!

So lösen sich von Fleece-Stoff beispielsweise mikroskopisch kleine Partikel, die durch das Abwasser im Meer landen und dort von Fischen gefressen werden - und wenn diese nicht bereits daran verenden, futtern wir diese in unserem Fischbrötchen, Sushi o.ä. munter mit. Dass diese Teilchen hochgradig gesundheitsgefährdend sind, wissen die wenigsten - man sieht sie ja nicht. Auch sonst ist die meiste Kleidung vollgepumpt mit Toxinen, die Krebs und andere Krankheiten auslösen.

Gegen die Umweltschädigung stellt Nunu Kaller verschiedene Ökozertifikate vor, auf die man beim Kauf der Produkte achten kann. Vergleichbare Siegel gibt es für fairen Handel und gute Arbeitsbedingungen in der Produktion, aber ein "Allrounder"-Siegel ist leider die Seltenheit (am Ende des Buches gibt es nochmal eine Übersicht über die verschiedenen Siegel, aber auch über engagierte Organisationen und verschiedene gefährliche Arbeitsmethoden der Textilindustrie - sehr hilfreich!).

Dafür kann man mit Do-It-Yourself eine Menge erreichen, da dabei niemand anders für einen arbeiten muss und Tauschpartys Fehlkäufe ökologisch aufwerten, indem sie den Weg des Teils in den Müll verhindern.

Auch das dokumentierte Gespräch mit einer Textilketten-Einkäuferin fand ich sehr aufschlussreich (Wie z.B. kommt der SALE zustande, in dem es nicht nur die Restgrößen 34 und 46 gibt, sondern auch alles dazwischen, was eigentlich gut geht?).

Schön fand ich auch, wie Nunus Bekanntenkreis ihre Bemühungen unterstützt hat und bei ihren "Aber ich hätte so gerne das da"-Andeutungen so gut wie nie schwach geworden ist und sich auch nicht über ihr Jammern beschwert hat.


Insgesamt ist das Buch sehr unterhaltsam geschrieben und lässt sich daher angenehm leicht lesen, ohne dabei an Informationsfülle oder -Qualität einzubüßen.

Einzig und allein einige österreichische Redewendungen haben mich kurz irritiert, aber daran gewöhnt man sich schnell.

Alles in allem also ein sehr informatives und gleichzeitig unterhaltsames Buch, das einen anregt, das eigene Konsumverhalten zu überdenken und das man eigentlich in einem Rutsch weglesen kann!


Seiten: 272
Originaltitel: -

Autor/in: Nunu Kaller
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-46204-589-5
Preis: 8,99 Euro
Mein Dank gilt dem KiWi-Verlag (www.kiwi-verlag.de) und LovelyBooks (www.lovelybooks.de) für das Freiexemplar und natürlich der Autorin! 

Unter folgender Adresse findet ihr außerdem Nunus Blog, den sie während ihrer Shopping-Diät gestartet hat und auf dem sie immer noch regelmäßig zum Thema postet:
http://ichkaufnix.wordpress.com 

Eine andere schöne Aktion zum Thema Umwelt (und Bücher) gibt es hier von der Mayerschen:
http://www.mayersche.de/greenline/

 

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